Posts mit dem Label Gastro werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gastro werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. November 2011

Grosser Weinsport!

Wer mich kennt, der weiss, dass das Piemont in Italien zu einem wichtigen Bestandteil in meinem resp. unserem Leben geworden ist. Mit unserer Traumhochzeit im unendlich heissen Sommer 2010 haben wir das Piemont und die Gegend rund um Neive für immer in unsere Erinnerungen eingebrannt. Noch heute denke ich oft an diese intensiven und wunderbaren Tage zurück. Im Frühling dieses Jahres waren Jettli und ich zum ersten Mal seit der Hochzeit wieder im Piemont und in der Locanda San Giorgio, unserer Fest-Lokalität. Irgendwie war das Gefühl aber sehr speziell; zahllose Erinnerungen kreuzten unsere Gedanken, wir waren diesmal ganz normale Gäste, nirgends waren bekannte Gesichter zu sehen, kein Hauch von Nervosität, nichts. Eigentlich ein wenig enttäuschend. So entschieden wir uns, bei den nächsten Reisen ins Piemont auf Neuentdeckung zu gehen. Die Gegend im Norden Italiens bietet nämlich quasi auf jedem Hügel ein gemütliches Restaurant, ein stolzes Weingut oder ein hübsches, kleines Agriturismo!

Gemeinsam mit unseren Freunden Pascale & Thömi Zurbrügg reisten wir dann Ende Oktober wieder nach Italien. Zurbrüggs zeigten sich für die Organisation verantwortlich und so konnten wir sicher gehen, neue Orte kennenlernen zu dürfen.

Die Reise begann am Donnerstag Vormittag mit einem Fährtli durch den Lötschberg, weiter durchs Wallis zum Simplonpass und runter nach Domodossola. In Domo gönnten wir uns dann auch den ersten Apéro in einer gemütlichen Bar. Gestärkt durch ein Gläsli Arneis und den feinen Apéro Häppchen gings weiter dem Lago Maggiore entlang, via Vercelli, Alessandria und Asti zu unserem ersten Etappenort, dem Örtchen San Martino Alfieri. Wir hausten dort äusserst exklusiv im schönen Weingut Marchesi Alfieri. Das Weingut liegt erhöht auf den Hügeln zwischen Asti und Alba mit toller Sicht in die Talebene und auf zahlreiche Rebbaugebiete. Unsere Zimmer waren in einer Locanda im Innenhof des Schlosses untergebracht. Nach dem Check-in fuhren wir ins Nahe Neive wo wir uns in der Dorfbeiz einen ersten ausgiebigen Apéro gönnten. Wer an unserer Hochzeit dabei war weiss, dass dort am Sonntag nach dem Fest eine weitere exszessive Party mit dem WM-Finale stattfand :-). Anyway, Neive ist und bleibt ein grosses Highlight in der Gegend Langhe. Das Dörfchen trohnt auf einem Hügel und gehört zweifelsohne zu den schönsten - sogenannten - Borgi Italiens. Mit seinem schönen Dorfkern und den diversen Restaurants, Cantinas und Hotels ist dies ein guter Ausgangspunkt für Piemont-Reisen.

Neive   
Herbststimmung im Piemonte

Marchesi Alfieri

Herbststimmung

Nach gut zwei Flaschen Arneis gings zurück nach San Martino Alfieri. Unser erstes Abendessen stand auf dem Programm. Gleich um die Ecke des Schlosses befindet sich ganz unauffällig und unscheinbar das Restaurant von Ugo. Zürbi konnte im Vorfeld nicht genug erwähnen, welch grossartiger Ess-Sport wir bei Ugo erwarten dürfen. Er behielt natürlicht recht, denn wir wurden sensationell durch die Vielseitigkeit der piemontesischen Gastronomie geführt. Wir wurden in ein gemütliches Keller-Lokal begleitet wo wir den Stammtisch von Zürbis einnehmen konnten. Schön gedeckte Tische und ein angenehmes Ambiente generell boten die Kulisse für das "Festmahl". Nach herzlicher Begrüssung durch den Chef persönlich gings los: in Essig eingelegtes Gemüse, rassig mit Pfeffer gewürzte Frischkäsli mit Olivenöl sowie ein wunderbares Vitello Tonato waren als Antipasti und Primi vorgesehen. Selbstverständlich bediente uns der Chef mit einem Plattenservice und wer Lust und Hunger hatte, durfte auch zwei oder auch drei Mal um Nachschlag "flehen". Weiter gings mit herzhaften Teigwaren; einerseits mit frischen Ravioli, andererseits mit den traditionellen Tajarin con sugo della salsiccia di Brà. Eigentlich war man nach diesem Spektakel schon fast voll, aber selbstverständlich gings weiter mit dem klassischen Fleischgang. Egal ob Schwein im Krustenmantel oder Brasato in Barolo: es war einfach herrlich! Begleitet wurded das Festmahl von einem wunderbaren Barbera d'Asti, dem "La Tota", natürlich vom Weingut Marchesi Alfieri. La Tota bedeutet in piemontesischem Dialekt "die Magd". Es ist ein Barbera mit kräftiger rubinroter Farbe; ein fruchtiges Bukett mit einem Hauch von Pflaumen und Vanille zeichnen ihn aus. Abschliessend gabs natürlich auch noch einen Dessert, aber fragt mich nicht mehr, was wir genau hatten. Mit einem herzhaften Grappa wurde das sensationelle Abendessen dann standesgemäss beendet. Und wenn ihr Euch jetzt fragt, was dieser Spass gekostet hat, dann sage ich nur eins: viel zu wenig! Soviel Qualität, Ambiente und Gastfreundschaft erhält man eigentlich gar nicht für so wenig Geld.

Zurbinhos bei Ugo


Der nächste Tag begann in der Frühstücksküche des Schlosses. Der Tisch war feinsäuberlich gedeckt und allerlei schmackhafte Sachen standen bereits wieder zum Verzehr bereit. Klar, wir hatten alle noch die Bäuche voll vom Vorabend, aber in Anbetracht der Tatsache, dass um 10.30h bereits eine erste Weindegustation auf dem Programm stand, gönnten wir uns dann doch ein paar Sachen zum "Bödele". Nach der Führung durch den Schlossgarten und die Weinkellerei gings ans Probieren. Nebst den klassischen Barbera-Weinen gibts bei Marchesi Alfieri auch noch etwas unbekanntere Sorten, z.B. einen Piemonte Grignolino oder einen Cuvée mit Pinot Noir und Barbera Trauben. Heiter wurde dann der erste Einkauf getätigt und später ins Auto verladen. Weiter gings in Richtung Neive und zwar zur Cascina Principe, dem Weingut der sympathischen Vacca-Brüder. Wir kennen das Weingut von unserer Hochzeit her. Anlässlich des Männerprogramm kamen wir da in den Genuss einer ausgiebigen Degustation. Das Gleiche widerfuhr uns auch diesmal. Nach einer kurzen Führung und der Geografie-Kunde auf der Terrasse gings zur Degustation. Wir probierten zig-Sorten, vom süffigen Arneis über Dolcetto, Nebbiolo, hin zu Barbaresco und Barbera's - und weiter zum Moscato und Rosé. Die Weinen bieten alle ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis und haben bei uns einen festen Platz im Weinkeller bekommen. Hervorragend waren übrigens auch der Käse und die Salami, welche zur Degustation gereicht wurde. Zürbi vergass zeitweise sogar, dass es sich da nicht um eine Salami- sondern eine Weindegustation handelte...

Heiterkeit bei der Degustation
das Gelage - man beachte das leere Salami-Brett...

Noch heiterer gings weiter zu unserem neuen Etappenziel, der Azienda Vitivinicola Agriturismo von Davide Bevione und Familie. Das Agriturismo liegt in der Nähe von Dogliani, dem typischen Anbaugebiet des Dolcetto. Selbstverständlich gab's nach dem Zimmerbezug auch hier eine Führung durch den sauberen, aufgeräumten und hochtechnologisierten Weinkeller. Davide begann erst vor einigen Jahren mit dem Weinbau; zuvor war er Inhaber eines Lampengeschäfts in Turin. Der Quereinsteiger präsentierte uns anschliessend nicht ohne Stolz seine Weine, allen voran eben den Dolcetto di Digliano D.O.C. Wir waren uns aber alle einig, dass diese Weine nicht unseren Präferenzen entsprechen und so verzichteten wir dann auch auf einen Kauf. Kulinarisch hatten sie es dann sehr wohl im Griff - ein weiteres, ausgezeichnetes Abendessen stand auf dem Programm.

Tagsdarauf, es war Samstag, war standesgemäss Markttag. Wir fuhren zeitig nach Alba wo wir in Einerkollone durch den Markt streiften. Nach dem Besuch des Gemüsemarktes - ich deckte mich noch mit getrocketen Tomaten fürs Einmachen ein (Merci Mam) - teilten wir uns und so zogen die Damen separat durch die Läden und wir Herren hatten dringenden Bedarf an Wirtschaftskunde. Am Nachmittag fuhren wir von Alba in Richtung La Morra, wo der Besuch des Weinguts Cordero di Montezemolo anstand. Uns erwartete ein weiteres, imposantes Weingut mit einer langen Geschichte, elegante und traditionelle Gebäude und auch hier fantastischen Weine. Auf einem 28 Hektar grossen Gebiet werden die traditionellen lokalen Rebsorten Nebbiolo, Dolcetto, Barbera und Arneis angebaut. Natürlich konnten wir auch hier nicht widerstehen und stockten unser Weinportfolio weiter auf. Anschliessend gings mit einem Restaurant-Tipp der Chefin nach Dogliani. Es war erst 16.00 Uhr und das Znacht war auf 19.30h vorgesehen und so "mussten" wir uns die Zeit mit einem weiteren Apéro todschlagen. Zuerst in der Dorfbeiz von Dogliani und dann in einer hübschen Enoteca gabs natürlich wieder Arneis und zur Abwechslung auch mal einen Apérol Spritz. Schön ist, dass zu jedem Glas Wein immer ein Plättchen mit allerlei Köstlichkeiten gereicht wird. Den Abschlussabend verbrachten wir in der Osteria La Torchia in Dogliani. Wir fanden ein wunderschönes Kellerlokal mit gewölbten Steinbögen vor und liessen uns auch hier kulinarisch verwöhnen. Egal ob Thunfisch, Brasato, Teigwaren oder das üppige Käseteller - einmal mehr bestach das Piemont durch fantastische Küche. Thömi zeigte sich für die Weinwahl zuständig uns so kamen wir zum Abschluss in den Genuss eines fantastischen Barolo "Monfaletto" aus dem Hause Cordero di Montezemolo! Merci!


Mercato ad Alba

Pomodori secci

Libanonzeder auf dem Weingut Corderi di Montezemolo
Ohne Worte

Am Sonntag gings dann voll beladen zurück in Richtung Schweiz. Die Damen waren vor dem Grenzübergang sichtlich nervös - ganz unbegründet wie sich danach herausstellte. Die Zöllner in Gondo waren wohl gerade beim Mittagessen oder im Apéro, auf jeden Fall war der Grenzübergang verwaist. So freuten wir uns an zollfreien Weinen. Ca. 120 Liter Wein waren es im Übrigen....


Das fantastische Genuss-Wochenende schlossen wir dann bei der weniger rühmlichen Beerdigung des Buddy's Pub in Interlaken bei einigen Bieren ab. Ein grosses Merci an Zurbrügg's für das tolle Weekend, die Grosszügigkeit und die vielen neuen Orte, die ihr uns gezeigt habt! Wir wiederholen das hoffentlich bald! Ganz grosse Wy-Sport gsi!!!! Grazie!

Montag, 11. April 2011

Schlemmen im WineArt

Am vergangenen Freitag hatte ich das Vergnügen, gemeinsam mit meiner Familie und den engsten Freunden meinen Geburstag nachzufeiern. Dafür gings mal wieder ins schöne Berner Oberland nach Interlaken. Als Lokalität für diesen netten Abend habe ich das WineArt im Zentrum des Ortes ausgewählt. Natürlich nicht grundlos, denn unser Freund Ardian Mala führt dieses edle Lokal seit knapp einem Jahr. Zuvor war er während einigen Jahren mit ähnlichem Konzept in einer anderen, wesentlich kleineren Lokalität tätig. Eigentlich ist es sehr schwierig ein Lokal eines Bekannten zu testen und kritisch unter die Augen zu nehmen aber diesmal geschah dies auch ein bisschen in offizieller Mission. Jettli hat in Kürze ein wichtiges Geschäftsessen dort und der neue Küchenchef (seit gut 2 Wochen im Amt) muss natürlich begutachtet werden :-)

Wir genossen den sonnigen Feierabend auf der Terrasse bei Bier, Weisswein und feinen Häppchen. So langsam trudelten die Gäste ein und einem genüsslichen Abendessen stand nichts mehr im Wege. Wir tafelten am 9m langen Holztisch in der wunderschönen Vinothek, welche edle Stuckdecken aus dem vorigen Jahrhundert zeigt. Die Vinothek ist abgetrennt vom übrigen Restaurant und eignet sich bestens für grössere Gesellschaften oder aber auch für Apéros und Events jeglicher Art. Das WineArt besteht weiter aus einem Loungebereich mit Bar und dem eben erwähnten Restaurant.

Nachdem wir es uns am Tisch gemütlich gemacht hatten, konnte das Essen beginnen. Ganz nach dem Motto des WineArts, starteten wir mit einer leichten Vorspeise in die "Mediterranen Gaumenfreuden". Ein schmackhaftes Spargelsüppchen, begleitet von Jakobsmuschel und Crevetten, dazu ein leicht süsslicher Riesling Spätlese aus dem Moselgebiet. Toller Start, wobei das Süppchen etwas den Pepp vermissen lässt. Aber Jakobsmuschel und Crevetten sind die Highlightz der Vorspeise und kommen bei allen Gästen gut an. Wie immer lasse ich mich auch heute von den Weinkenntnissen von Ardian überraschen und lasse ihn den passenden Wein für unsere Gerichte bringen. Auch diesmal passt der süssliche Wein ideal zum ersten Gang. Der Start war also gelungen, umso gespannter waren wir auf die Fortsetzung der Gaumenfreuden.

Nach einer ausgiebigen und für meinen Geschmack etwas zu langen Pause, freuten wir uns auf eine exzellente Hauptspeise. Der neue Koch Denis zauberte uns ein Entrecôte vom Angus-Rind auf Frühlingsgemüse und jungen Kartoffeln auf die Teller. Das Fleisch war gut gewürzt, blieb aber nach meinem Gusto etwas zu lange in der Pfanne. Nicht dass es zäh gewesen wäre, aber der Liebhaber von Rindfleisch mag es ab und zu auch etwas "saignant". Das Fleisch schmeckte aber mit der Rotweinsauce wunderbar. Das Gemüse bestand aus Auberginen, Zuchetti und gelber Peperoni und war die erwartete und absolut passende mediterrane Komponente des Menüs. Die schmackhaften Kartoffeln passten ebenfalls perfekt als "südländische" Sättigungsbeilage. Die Portionenen sind wohl portioniert, nicht zu viel und nicht zu wenig und was erfreulich ist, beim Fleisch wird nicht gespart. Insgesamt ein absolut toller Hauptgang. Begleitet wurde dieser übrigens von einem spanischen Rotwein, dem Viña Vilano aus dem Herkunftsgebiet Ribera del Duero. Ein ausdrucksvoller Crianza aus 100% Tempranillo-Traube. In der Nase schmeckt man reife Früchte und einen leichten Karamellgeschmack und der Abgang ist voller Struktur und Körper. Ein toller Wein zu rotem Fleisch aber auch einfach so zum "Gern haben" :-) Auch hier hat Ardian eine tolle Empfehlung abgegeben.

Der Abschluss des Essens bestand aus einem erfrischenden Rabarber-Crème-Dessert. Mal süsslich, mal sauer - eine spannende Kombination, angerichtet im Glas. Tiptop, daran gibt es nichts auszusetzen. Natürlich beliessen wir es nicht bei diesem Dessert, der Abend ging weiter mit mehr Wein, mehr Bier und dem einen oder anderen Grappa. Details seien aber aus Datenschutzgründen keine zu erfahren gewesen.

Fazit des Abends: das WineArt gefällt wie immer durch sein angenehmes Ambiente, Ardian ist der freundliche und omnipräsente Gastgeber mit tollen Weingespür, der neue Küchenchef Denis darf bleiben und besticht mit seinen tollen mediterranen Kombinationen. Was dazu noch zu sagen ist, im WineArt können alle Gerichte in kleinen, mittleren und grossen Portionen bestellt werden. Die grösse des Hungers wird hier also wie es sich gehört dem Gast überlassen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist optimal, erfordert aber auch das Vertrauen gegenüber dem Chef, denn bei der Auswahl der Weine verlässt man sich oft auf dessen Gespür für Geschmack und Preis. Ich empfehle das WineArt gerne weiter, sei es für ein gutes Glas Wein oder aber für einen gemütlichen Abend mit tollen Gerichten. Kleine Abstriche gibt es einzig bei den zu langen Pausen und den doch etwas ausrangierten Sofagarnituren in der Lounge ;-)

Mehr übers WineArt gibt es hier

Sonntag, 3. April 2011

Drei "Dääg" in Basel

Wieder waren zwei Wochen rum und wieder stand das Coop Bildungszentrum in Muttenz im Zentrum meines Lebens. Das Modul "Wirtschaftsrecht I und II standen auf dem Stundenplan. Dabei stellte sich heraus dass der Teil I mit Immaterialgüterrecht (Marken, Patente, Design etc.) durchaus brauchbar war, im wahrsten Sinne des Wortes...Tag zwei und drei standen dann im Zeichen von Vertrags- und Handelsrecht, Kartellrecht und sonstigen Vertriebssystemen. Prof. Dr. Handschin, seines Zeichens Ordinarius für Privatrecht an der Uni Basel, machte trotz der etwas schwerverdaulichen Materie einen guten Job und brachte den Stoff humorvoll und gespickt mit etwas sarkastischen und ironischen Sprüchen rüber.

Am Freitagabend stand dann die Besichtigung der Bibliothek im WWZ der Uni an. Endlich wissen wir wo all die Bücher von Prof. Dr. Bruhn lagern und wie man sie künftig ausleihen und bestellen kann. Nach der Besichtigung machten wir einen kurzen Spaziergang ins Gundeli. Das Gundeldinger Quartier wie es richtig heisst, befindet sich quasi hinter dem Bahnhof SBB, im Süden der Stadt und fällt duch sein schachbrettartige Struktur mit ihren parallellen Strassenzügen auf (check Wikipedia). Es hat einen sehr eigenständigen Charakter und gefällt eigentlich sehr gut. Herzstück des Gundeli ist das Restaurant Signori, für Kenner auch Sig-Nori. Es handelt sich dabei nicht etwa um ein beliebtes japanisches Restaurant, nein, Italienisch soll es sein. Das WWZ unter der Leitung von Herrn Braune-Krickau hat diesen Abend organisiert und sogleich verlauten lassen, dass Speisen zulasten der Teilnehmer gehen, Getränke aber vom Institut übernommen werden. Welche Freude, hatten wir doch alle den Wissensdurst gestillt und sehnten uns nun nach etwas wirklich Trinkbarem.

Der erste Eindruck vom Restaurant war durchaus positiv. Von der Decke grüssen Art Deco-Kronleuchter, das alte Holz der Tische zeigt Charakter, die Wände bestückt mit farbigen Kacheln und farbenfrohen Bildern. Eigentlich vielmehr ein Ort für ein typisches französisches Bistrot oder Brasserie und allenfalls für eine deutsche Bierhalle namens "Sigi's Nörchen"...nicht aber typischerweise für ein italienisches Speiserestaurant. Diesen Eindruck vermittelten dann eigentlich auch das Menü: man konnte aus drei Varianten wählen und ich entschied mich für:

Tomatensuppe
***
Poulet-Piccata mit Safranrisotto
Gemüse
***
Tiramisù


Die Tomantesuppe war definitiv nicht selbstgemacht und musste mit reichlich Pfeffer nachgewürzt werden. Das Sahnehäubchen stammt aus der Dose und der dekorative Basilikum etwas gar lieblos darübergestreut. Mein Sitznachbar, der Exil-Bündner aus Züri, startete den Abend mit gegrilltem Gemüse auf Rucola und stellte im nachhinein fest, dass es sich dabei wohl um das Highlight des Abends handelte. Zum Apéro und zur Vorspeise wurde uns ein Bianco Critone gereicht. Ein ausgezeichneter Wein aus Chardonnay und Sauvignon-Trauben aus Kalabrien. Meine Recherche ergab zudem, dass der Wein in den vergangenen Jahren immer wieder Auszeichnungen eingeheimst hat - ein wahrer Geheimtipp also! Gian, kaufen!


      
Weiter mit dem Essen: zur Hauptspeise kam die Poulet-Piccata mit Safranrisotto. Eher dürftig die Präsentation, eher enttäuschend die Qualität des Ganges. Das Poulet war an der Grenze des Zumutbaren. Kollege Mike W. gab sein halbrohes Huhn sogar retour...der Safranrisotto zwar schön in Farbe, dafür aber verkocht. Schade, denn geschmacklich durchaus solid und erfreulich. Die lieblose Bratensauce begleite Fleisch und Risotto. Sehr unpassend und eben, nicht hausgemacht! Mein Sitznachbar versuchte es mit der Lachstranche auf Wildreis, aber auch hier absolut unzureichend. Der Fisch knapp gar, der Reis verkocht. Einige gönnten sich Spaghetti Carbonara zum Hauptgang, dieser war anscheinend die beste aller Möglichkeiten.

Zum Dessert versuchte ich es noch mit dem Tiramisù und wurde positiv überrascht. Geschmacklich einwandfrei, ansprechend angerichtet und gut in Konsistenz und Farbe. Ein versöhnlicher Abschluss eines "Gruppen-Menüs".

Fazit: ein Restaurant mit tollem Ambiente, etwas unkoordinierten aber aufgestellten Kellnerinnen, tollem Wein aber qualitativ durchschnittlichem Essen. Fairerweise muss man sagen, dass wir 25 Personen waren und dies in der Küche vielleicht eine zu grosse Herausforderung darstellte. Ich denke, dass man dieses Lokal mal "à la carte" testen sollte, denn wie gesagt, lässt das Ambiente eigentlich einen gemütlichen Abend zu. Highlight war aber ohnehin den Abend mit den Damen und Herren des MAS zu verbringen und im Aqua ausklingen zu lassen. Egal ob Basel, Bern oder Züri - dir sit geili Sieche!

Freitag, 25. März 2011

Businesslunch im Büner


Es gibt Tage, an denen freut man sich besonders auf gewöhnliche Fixpunkte wie etwa das Mittagessen. Bei mir sind diese Tage jeweils dann, wenn ich mit Geschäftspartnern in einem der besten Restaurants der Stadt speisen darf. Dies war heute wieder einmal der Fall und zwar im bekannten Restaurant Büner im Berner Breitenrain-Quartier. Der Büner verfügt über 14 Gault Millau Punkte und ist weit herum bekannt als ausgezeichnetes Speiserestaurant und Vinothek. Im Sommer speist es sich besonders angenehm unter den Kastanienbäumen im Garten. Was heisst im Sommer, eigentlich auch am heutigen warmen Frühlingstag, doch wir entschieden uns für den Platz im gemütlichen Bistroteil des Restaurants.

Nach lockeren Geschäftsgesprächen und einem fruchtigen Chardonnay zum Start wählten wir unser Essen aus. Mein Kunde und ich entschieden uns für "notre bonbon du midi". Die Küche begrüsste uns mit einem mediteranen Gemüsesalat mit asiatisch mariniertem Thunfisch. Ein würdiges Amuse Bouche und genau passend zum etwas süsslichen Weisswein. Als Vorspeise genossen wir Spargelravioli mit Entenleber und Speckschaum - wow, alles super abgeschmeckt und gut aufeinander abgestimmt. Die Füllung der Ravioli hätte für meinen Geschmack aber gut noch etwas würziger sein dürfen. Als Höhepunkt folgte die farbenfrohe Hauptspeise, bestehend aus korss gebratenem, ultra zartem Kalbsnierstückmedaillon mit Burgundertrüffelessenz, Kartoffelstampf und Frühlingsboten.

Diese Frühlingsboten gaben dann auch Anlass zum Fachsimpeln. Etwas undefinierbares Rosarotes begleitete den jungen Elsässer Frühlingsspargel. Beim Nachfragen stellte sich heraus, dass dieses leicht saure und doch angenehm süsse "Etwas" ein in Cranberry-Juice eingelegtes Radiesschen war - fantastisch! Die Portionen sind wohlgewählt, genau richtig für einen Businesslunch. Ach ja, zum Hauptgang gönnten wir uns an diesem herrlichen Freitag ausnahmsweise ein Glas Barbera d'Alba aus dem Piemont, meiner bevorzugten Weinregion Italiens. Auf das Dessert verzichteten wir aufgrund der am Wochenende anfallenden Kalorien dann doch, obwohl die Käseauswahl auf dem Menü erfahrungsgemäss schmackhaft gewesen wäre...Fazit des Lunches: wie immer netter Service, schön angerichtete Speisen und ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Ein Grund, den Büner auch wieder einmal bei einem gemütlichen (privaten) Dinner zu besuchen. Wer's Ausprobieren möchte: Restaurant Büner, Bern

Mittwoch, 23. März 2011

Testessen im Yù East and West, Kursaal Bern


Restaurant Yù East & West, Kursaal Bern
schöner kann eine woche nicht beginnen. meine frau und ich folgten der einladung vom kursaal bern zum testessen im neueröffneten yù east and west. nach einem freundlichen empfang wurden wir zum apéro mit lychee-prosecco und einer fachkundigen einführung durch die marketingverantwortlichen des hauses begleitet. na...chdem wir an den netten tisch begleitet wurden, folgte sogleich eine geballte vorspeisen-variation. frische dim sum mit crevetten und gemüse, balinesische poulet-spiesschen mit einer schmackhaften satay-sauce, traditionelle ente in pancake-rolle sowie ein amerikanischer caesar-salad mit pouletstreifen sorgten für einen gelungenen einstieg. dazu wurde ein süsser pinot blanc aus dem wallis gereicht, welcher ideal zu den würzigen speisen passte. erster wehmutstropfen: zum salat wurde kein besteck gereicht.

nach einer wohl getimten pause folgte die auswahl an hauptspeisen. crevetten mit lauch und chilli, rindfleischstreifen an black pepper sauce und sojasprossen sowie ein rassiges green curry mit poulet - absolut lecker, wenn auch für schweizer mäuler wohl etwas zu scharf. als westliches element wurde das englische... fish & chips mit pommes und mashed pies serviert. absolut top, in kombination mit den asiatischen speisen aber etwas zu ungewöhnlich. begleitet wurde das menü von einem amalaya malbec aus argentinien. durch die dezente säure und die satte beerennote eigentlich ein toller begleiter, für mich in dieser kombination aber nicht der erhoffte partner für die "symbiose". weiterer wehmutstropfen: der service fand fast ausschliesslich in englisch statt. passt zwar gut zu einem urbanen ambiente, trotzdem müsste hier jede servicekraft einige brocken deutsch sprechen können.

nach der überaus schmackhaften hauptspeise waren wir gespannt auf das dessert. wir erwarteten die klassichen asien-desserts mit mango-glace und lychees, aber nein, ein wahres feuerwerk der dessert-kunst erwarte uns! sensationelle cheese-cakes, zitronengrass crème brulee, spannende chilli-glace und das phänomenale schoggi-fondant - hot and cold wie es sich gehört, rundeten den tollen essspass ab. dazu gab es asiatischen pflaumenwein, echt lecker. zwar mundete er meiner frau nicht wirklich, für mich stellte er zu den speisen die ideale begleitung dar. nach einem espresso und netten gesprächen mit mittestern verliessen wir das yù mit vollen bäuchen und einem tollen gefühl.

fazit des testabends: für liebhaber der asiatischen küche ein echter gewinn. leckere kombinationen, solide zubereitet, dazu das urbane ambiente - man wähnt sich zeitweise in London oder New York - trugen das ihrige dazu bei. Fraglich nur, ober das yù west mit der qualität der fernöstlichen küche mithalten kann… abstriche gibt es beim service (sprache) sowie beim fehlenden besteck (doch, wir können mit chop sticks essen). ansonsten einwandfrei; wir werden wiederkommen, auch wenn ein blick in die speisekarte das portemonnaie etwas erzittern lässt. merci für die einladung, es war super!!!! ein speizielles lob an frau luginbühl, sie macht einen super-job, hoch professionell, freundlich und zuvorkommend - bravo!