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Sonntag, 20. November 2011

Grosser Weinsport!

Wer mich kennt, der weiss, dass das Piemont in Italien zu einem wichtigen Bestandteil in meinem resp. unserem Leben geworden ist. Mit unserer Traumhochzeit im unendlich heissen Sommer 2010 haben wir das Piemont und die Gegend rund um Neive für immer in unsere Erinnerungen eingebrannt. Noch heute denke ich oft an diese intensiven und wunderbaren Tage zurück. Im Frühling dieses Jahres waren Jettli und ich zum ersten Mal seit der Hochzeit wieder im Piemont und in der Locanda San Giorgio, unserer Fest-Lokalität. Irgendwie war das Gefühl aber sehr speziell; zahllose Erinnerungen kreuzten unsere Gedanken, wir waren diesmal ganz normale Gäste, nirgends waren bekannte Gesichter zu sehen, kein Hauch von Nervosität, nichts. Eigentlich ein wenig enttäuschend. So entschieden wir uns, bei den nächsten Reisen ins Piemont auf Neuentdeckung zu gehen. Die Gegend im Norden Italiens bietet nämlich quasi auf jedem Hügel ein gemütliches Restaurant, ein stolzes Weingut oder ein hübsches, kleines Agriturismo!

Gemeinsam mit unseren Freunden Pascale & Thömi Zurbrügg reisten wir dann Ende Oktober wieder nach Italien. Zurbrüggs zeigten sich für die Organisation verantwortlich und so konnten wir sicher gehen, neue Orte kennenlernen zu dürfen.

Die Reise begann am Donnerstag Vormittag mit einem Fährtli durch den Lötschberg, weiter durchs Wallis zum Simplonpass und runter nach Domodossola. In Domo gönnten wir uns dann auch den ersten Apéro in einer gemütlichen Bar. Gestärkt durch ein Gläsli Arneis und den feinen Apéro Häppchen gings weiter dem Lago Maggiore entlang, via Vercelli, Alessandria und Asti zu unserem ersten Etappenort, dem Örtchen San Martino Alfieri. Wir hausten dort äusserst exklusiv im schönen Weingut Marchesi Alfieri. Das Weingut liegt erhöht auf den Hügeln zwischen Asti und Alba mit toller Sicht in die Talebene und auf zahlreiche Rebbaugebiete. Unsere Zimmer waren in einer Locanda im Innenhof des Schlosses untergebracht. Nach dem Check-in fuhren wir ins Nahe Neive wo wir uns in der Dorfbeiz einen ersten ausgiebigen Apéro gönnten. Wer an unserer Hochzeit dabei war weiss, dass dort am Sonntag nach dem Fest eine weitere exszessive Party mit dem WM-Finale stattfand :-). Anyway, Neive ist und bleibt ein grosses Highlight in der Gegend Langhe. Das Dörfchen trohnt auf einem Hügel und gehört zweifelsohne zu den schönsten - sogenannten - Borgi Italiens. Mit seinem schönen Dorfkern und den diversen Restaurants, Cantinas und Hotels ist dies ein guter Ausgangspunkt für Piemont-Reisen.

Neive   
Herbststimmung im Piemonte

Marchesi Alfieri

Herbststimmung

Nach gut zwei Flaschen Arneis gings zurück nach San Martino Alfieri. Unser erstes Abendessen stand auf dem Programm. Gleich um die Ecke des Schlosses befindet sich ganz unauffällig und unscheinbar das Restaurant von Ugo. Zürbi konnte im Vorfeld nicht genug erwähnen, welch grossartiger Ess-Sport wir bei Ugo erwarten dürfen. Er behielt natürlicht recht, denn wir wurden sensationell durch die Vielseitigkeit der piemontesischen Gastronomie geführt. Wir wurden in ein gemütliches Keller-Lokal begleitet wo wir den Stammtisch von Zürbis einnehmen konnten. Schön gedeckte Tische und ein angenehmes Ambiente generell boten die Kulisse für das "Festmahl". Nach herzlicher Begrüssung durch den Chef persönlich gings los: in Essig eingelegtes Gemüse, rassig mit Pfeffer gewürzte Frischkäsli mit Olivenöl sowie ein wunderbares Vitello Tonato waren als Antipasti und Primi vorgesehen. Selbstverständlich bediente uns der Chef mit einem Plattenservice und wer Lust und Hunger hatte, durfte auch zwei oder auch drei Mal um Nachschlag "flehen". Weiter gings mit herzhaften Teigwaren; einerseits mit frischen Ravioli, andererseits mit den traditionellen Tajarin con sugo della salsiccia di Brà. Eigentlich war man nach diesem Spektakel schon fast voll, aber selbstverständlich gings weiter mit dem klassischen Fleischgang. Egal ob Schwein im Krustenmantel oder Brasato in Barolo: es war einfach herrlich! Begleitet wurded das Festmahl von einem wunderbaren Barbera d'Asti, dem "La Tota", natürlich vom Weingut Marchesi Alfieri. La Tota bedeutet in piemontesischem Dialekt "die Magd". Es ist ein Barbera mit kräftiger rubinroter Farbe; ein fruchtiges Bukett mit einem Hauch von Pflaumen und Vanille zeichnen ihn aus. Abschliessend gabs natürlich auch noch einen Dessert, aber fragt mich nicht mehr, was wir genau hatten. Mit einem herzhaften Grappa wurde das sensationelle Abendessen dann standesgemäss beendet. Und wenn ihr Euch jetzt fragt, was dieser Spass gekostet hat, dann sage ich nur eins: viel zu wenig! Soviel Qualität, Ambiente und Gastfreundschaft erhält man eigentlich gar nicht für so wenig Geld.

Zurbinhos bei Ugo


Der nächste Tag begann in der Frühstücksküche des Schlosses. Der Tisch war feinsäuberlich gedeckt und allerlei schmackhafte Sachen standen bereits wieder zum Verzehr bereit. Klar, wir hatten alle noch die Bäuche voll vom Vorabend, aber in Anbetracht der Tatsache, dass um 10.30h bereits eine erste Weindegustation auf dem Programm stand, gönnten wir uns dann doch ein paar Sachen zum "Bödele". Nach der Führung durch den Schlossgarten und die Weinkellerei gings ans Probieren. Nebst den klassischen Barbera-Weinen gibts bei Marchesi Alfieri auch noch etwas unbekanntere Sorten, z.B. einen Piemonte Grignolino oder einen Cuvée mit Pinot Noir und Barbera Trauben. Heiter wurde dann der erste Einkauf getätigt und später ins Auto verladen. Weiter gings in Richtung Neive und zwar zur Cascina Principe, dem Weingut der sympathischen Vacca-Brüder. Wir kennen das Weingut von unserer Hochzeit her. Anlässlich des Männerprogramm kamen wir da in den Genuss einer ausgiebigen Degustation. Das Gleiche widerfuhr uns auch diesmal. Nach einer kurzen Führung und der Geografie-Kunde auf der Terrasse gings zur Degustation. Wir probierten zig-Sorten, vom süffigen Arneis über Dolcetto, Nebbiolo, hin zu Barbaresco und Barbera's - und weiter zum Moscato und Rosé. Die Weinen bieten alle ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis und haben bei uns einen festen Platz im Weinkeller bekommen. Hervorragend waren übrigens auch der Käse und die Salami, welche zur Degustation gereicht wurde. Zürbi vergass zeitweise sogar, dass es sich da nicht um eine Salami- sondern eine Weindegustation handelte...

Heiterkeit bei der Degustation
das Gelage - man beachte das leere Salami-Brett...

Noch heiterer gings weiter zu unserem neuen Etappenziel, der Azienda Vitivinicola Agriturismo von Davide Bevione und Familie. Das Agriturismo liegt in der Nähe von Dogliani, dem typischen Anbaugebiet des Dolcetto. Selbstverständlich gab's nach dem Zimmerbezug auch hier eine Führung durch den sauberen, aufgeräumten und hochtechnologisierten Weinkeller. Davide begann erst vor einigen Jahren mit dem Weinbau; zuvor war er Inhaber eines Lampengeschäfts in Turin. Der Quereinsteiger präsentierte uns anschliessend nicht ohne Stolz seine Weine, allen voran eben den Dolcetto di Digliano D.O.C. Wir waren uns aber alle einig, dass diese Weine nicht unseren Präferenzen entsprechen und so verzichteten wir dann auch auf einen Kauf. Kulinarisch hatten sie es dann sehr wohl im Griff - ein weiteres, ausgezeichnetes Abendessen stand auf dem Programm.

Tagsdarauf, es war Samstag, war standesgemäss Markttag. Wir fuhren zeitig nach Alba wo wir in Einerkollone durch den Markt streiften. Nach dem Besuch des Gemüsemarktes - ich deckte mich noch mit getrocketen Tomaten fürs Einmachen ein (Merci Mam) - teilten wir uns und so zogen die Damen separat durch die Läden und wir Herren hatten dringenden Bedarf an Wirtschaftskunde. Am Nachmittag fuhren wir von Alba in Richtung La Morra, wo der Besuch des Weinguts Cordero di Montezemolo anstand. Uns erwartete ein weiteres, imposantes Weingut mit einer langen Geschichte, elegante und traditionelle Gebäude und auch hier fantastischen Weine. Auf einem 28 Hektar grossen Gebiet werden die traditionellen lokalen Rebsorten Nebbiolo, Dolcetto, Barbera und Arneis angebaut. Natürlich konnten wir auch hier nicht widerstehen und stockten unser Weinportfolio weiter auf. Anschliessend gings mit einem Restaurant-Tipp der Chefin nach Dogliani. Es war erst 16.00 Uhr und das Znacht war auf 19.30h vorgesehen und so "mussten" wir uns die Zeit mit einem weiteren Apéro todschlagen. Zuerst in der Dorfbeiz von Dogliani und dann in einer hübschen Enoteca gabs natürlich wieder Arneis und zur Abwechslung auch mal einen Apérol Spritz. Schön ist, dass zu jedem Glas Wein immer ein Plättchen mit allerlei Köstlichkeiten gereicht wird. Den Abschlussabend verbrachten wir in der Osteria La Torchia in Dogliani. Wir fanden ein wunderschönes Kellerlokal mit gewölbten Steinbögen vor und liessen uns auch hier kulinarisch verwöhnen. Egal ob Thunfisch, Brasato, Teigwaren oder das üppige Käseteller - einmal mehr bestach das Piemont durch fantastische Küche. Thömi zeigte sich für die Weinwahl zuständig uns so kamen wir zum Abschluss in den Genuss eines fantastischen Barolo "Monfaletto" aus dem Hause Cordero di Montezemolo! Merci!


Mercato ad Alba

Pomodori secci

Libanonzeder auf dem Weingut Corderi di Montezemolo
Ohne Worte

Am Sonntag gings dann voll beladen zurück in Richtung Schweiz. Die Damen waren vor dem Grenzübergang sichtlich nervös - ganz unbegründet wie sich danach herausstellte. Die Zöllner in Gondo waren wohl gerade beim Mittagessen oder im Apéro, auf jeden Fall war der Grenzübergang verwaist. So freuten wir uns an zollfreien Weinen. Ca. 120 Liter Wein waren es im Übrigen....


Das fantastische Genuss-Wochenende schlossen wir dann bei der weniger rühmlichen Beerdigung des Buddy's Pub in Interlaken bei einigen Bieren ab. Ein grosses Merci an Zurbrügg's für das tolle Weekend, die Grosszügigkeit und die vielen neuen Orte, die ihr uns gezeigt habt! Wir wiederholen das hoffentlich bald! Ganz grosse Wy-Sport gsi!!!! Grazie!

Freitag, 5. August 2011

Roadtrip Schweden 2011

Ich freue mich, heute mal wieder als Blogger in Aktion zu treten. Und zwar möchte ich meine Gedanken und Eindrücke von unserem Roadtrip durch Schweden festhalten. Vom 18. Juli bis zum 3. August 2011 durchquerten wir mit dem Camper die eindrücklichen und vielseitigen Landschaften Schwedens. Die Reisepläne reiften schon länger, vor allem Jettli lag mir seit geraumer Zeit damit in den Ohren :-) Nicht zuletzt taten auch die kitschigen Filme von Inga Lindström oder die Millenium-Triologie von Stig Larson das ihrige dazu.

Am 17. Juli kurz nach dem Gurtenfestival und dementsprechend müde, traten wir unsere Reise an. Wir verbrachten den Abend vor Abreise bei unseren Verwandten in Basel. Am Montagmorgen um 06.40h gings dann mit dem Flieger vom Euroairport in Basel in die Hansestadt Hamburg. Dort gönnten wir uns nach einem Frühstück erstmal eine Stadtrundfahrt mit dem Hop on / Hop off Doppelstöcker. Eindrücklich was die Stadt alles zu bieten hat, mehr dazu aber später. Um die Mittagszeit gings dann zurück zum Airport wo wir unser Gepäck deponiert hatten. Wir nahmen uns ein Taxi und fuhren nördlich ins Kaff Kayhude wo die Firma McRent ihr Hamburg-Domizil hat. Endlich war es soweit, das Camping-Abenteuer konnte beginnen. Ich muss vorausschicken, dass wir keinerlei Erfahrungen mit Wohnmobilen haben, mal abgesehen von meinem Trip durch Kanada mit Olivzger und Cafu. Daher wurden wir vom Vermieter auch erstmal aufgefordert, dass halbstündige Instruktionsvideo reinzuziehen. Wie funktioniert die Gaszufufuhr, das Heizen, das Entleeren der Toilettentanks...etc. etc. Gut informiert gings dann gegen 15.00h los in nördlicher Richtung. Der erste Stopp folgte unweit der Vermietstelle zum Einkaufen bei REWE. Wir füllten den Camper bis unters Dach mit Fresalien, Tranksamen, Putzzeugs, etc. Die Preise in Skandinavien sind ja wesentlich höher als in Deutschland, daher kauften wir grosszügig ein um nicht allzu viele Grosseinkäufe in Schweden tätigen zu müssen. Für läppische 235 EUR war fürs erste Überleben gesorgt! Wir fuhren dann bis in die Nähe von Flensburg wo wir unser erstes Nachtlager aufschlugen und uns mit dem Leben auf dem Campingplatz vertraut machten. Der Campingplatz in Jarplund war dann auch der schlechteste unserer Reise und kein Vergleich mit den Einrichtungen in Schweden.

Tagsdarauf gings noch einmal zum Nachrüsten in den Supermarkt. Unter anderem kauften wir noch ein paar Tupperware-Geschirrsachen sowie ein kleiner handlicher Holzkohlen-Grill für EUR 20.-. Dann war Kilometer-Fressen angesagt. Via Kolding und Odense gings weiter nach Kopenhagen wo wir die bekannte Öresund-Brücke nach Malmö überquerten. Die Preise für die rund 15-minütige Überfahrt sind happig: fast 100 Stutz drückt man für diese kurze Strecke ab. Eigentlich wollten wir ja die Strecke von Deutschland nach Schweden mit der Fähre zurücklegen, entschieden uns aber für die Hinfahrt für die Variante via Dänemark. In Scheweden angekommen, fuhren wir noch rund 40 Minuten bis zu unserem ersten Campingplatz in Südschweden, genauer genommen im Ort Höör am Ringsjön-See. Der Süden Schwedens, genauer genommen die Provinz Skane, ist im Vergleich zu den übrigen Regionen weniger bewaldet und fällt vor allem durch die üppigen Ackerflächen und die vielen Windenergie-Anlagen auf. Herrliche Farbkontraste mit sattem grün, gelben Feldern und dem mit Wolken gezeichneten blauen Himmel prägten die ersten Eindrücke unser Reise.

Weiter gings entlang der Ostküste nach Ahus wo wir einen ersten Sightseeing-Stop einlegten. Das hübsche, etwas verschlafene Städtchen war im Mittelalter ein bedeutender Hafen der Aalfischer. Heute zeugen einzig die verschiedenen Aal-Gerichte in den Restaurants von dieser Zeit. Längst hat der Tourismus und die hier ansässige "Absolut Wodka"-Produktionsstätte das wirtschaftliche Geschehen im Griff. Weiter gings dann via Karlshamn, Ronneby und Karlskrona an die Ostseeküste nach Bergkvara. Das Wetter war uns hier nicht besonders hold, so mussten wir uns mit einem Znacht im Camper begnügen. Die Nacht war dann auch ziemlich stürmisch, was aber eigentlich durch den aufs Dach prasselnde Regen noch ganz gemütlich war. Am nächsten Tag fuhren wir weiter in nördlicher Richtung. Die Strassen sind im übrigen perfekt für Überlandfahrten. Das Roadmovie-Feeling kommt auf und mit entsprechendem Soundtrack kommt man in den richtigen Trucker-Groove. Durch dichte Wälder gings weiter bis zum Städtchen Kalmar. Der Ort ist vor allem als Ausgangspunkt für Ferien und Ausflüge auf der Insel Öland bekannt, aber auch durch das schöne Schloss (slott) und die Altstadt (gamla stan). Nach einer Stärkung gings dann weiter via Oskarhamn nach Vimmerby. Der Ort, ca. 60km von der Küste entfernt, ist bekannt als Wirkungsstätte von Astrid Lindgren, der bekannten schwedischen Schriftstellerin. So gibt es denn auch einen Erlebnispark "Astrid Lindgrens Värld" wo man Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbund und die Mattisburg von Ronja die Räubertochter besichtigen kann. Der Ort selber ist zwar hübsch, bietet aber für Reisende ohne Kinder nicht wirklich viel Prickelndes. Weiter gings via Linköping und Norrköping an den Bräviken-See, wo wir eine weitere Nacht bei mudrigem Wetter verbrachten. Immerhin gabs keinen Regen, so dass wir unseren kleinen Dicken (den Kugelgrill) ausgiebig einfeuern konnten.

Ringsjön bei Höör

Slott Kalmar
Min Lilla in Stockholm
Wir näherten uns Stück für Stück einem der Highlightz unser Reise - Stockholm. Von Vielen empfohlen, waren wir extrem gespannt auf die Stadt. Und eines sei schon im Voraus gesagt, die Stadt enttäuschte in keiner Art und Weise. Im Gegenteil: für mich ist Stockholm nach London und Barcelona die wohl interessanteste und abwechslungsreiste Stadt Europas. Die unvergleichliche Lage auf 14 Inseln macht den Reiz der schwedischen Hauptstadt aus. Der Mix zwischen wunderschöner Natur und urbanem, teils mediteranen Flair ist absolut Top! Am ersten Tag besichtigten wir die Altstadt Gamla Stan mit dem könglichen Palast, den engverwinkelten Gassen und dem historischen Stortorget mit dem Nobelmuseum. Später gings zum Apéro zu Pontus-by-the-sea, einer edlen Lounge Bar mit Sicht auf das Geschehen im Hafenbecken. Ein Muss für den gepflegten Apéro! Später gings in den trendigen Stadtteil Södermalm. Wo einst die Hafenarbeiter lebten und das rauhe Klima herrschte, hat der Stadteil heute viel zu bieten. Viele gemütliche und trendige Beizen, schrille Läden mit Klamotten, Kunstgalerien und alternative Cafés prägen das Ortsbild. Highlight in Södermalm war für uns die Aussicht vom Mosebacke. Der Platz bietet nebst einem grossen Garten mit Bars und Restaurants eben diese tolle Sicht auf die Stadt. Der perfekte Ort um die lauen Sommerabende zu geniessen. Wir trafen dann in Södermalm auch auf Bekannte aus Meiringen - die Welt ist ja bekanntlich klein :-)

Unser Stockholmer-Nachtlager war übrigens ein Campingplatz im Vorort Bredäng am Mälarensee, rund 10 km ausserhalb vom Stadtzentrum. Mit der U-Bahn reisten wir jedoch bequem in ca. 20 Minuten direkt vom Campingplatz in die City - und dies alles zu relativ erschwinglichen Preisen.


Am zweiten Tag erkundten wir die Stadt per Velo. Was heisst die Stadt, eigentlich gings in den Djurgarden. Der Name dieser von zahlreichen uralten Eichen bestandenen Insel, die als Teil des Nationalparks Ekoparken unter Naturschutz steht, bedeutet Tiergarten; ursprünglich war sie das königliche Jagdgelände. Je weiter man sich im Durgarden nach Osten bewegt, umso wilder und ursprünglicher wird die Natur. Vorbei am Freilichtmuseum Skansen, dem Vasamuseum und dem Gröna Lund Vergnügungspark gings zum Schloss Rosendals, wunderschön gelegen mit Sicht auf den Djurgards-Brunnsviken. Gestärkt gings weiter via Östermalm zurück ins Stadtzentrum beim U-Bahnhof T-Centralen, wo wir die Velos zur Schonung unserer "Füdlen" mal wieder hinstellten. Zu Fuss erkundten wir dann noch  das Stadshuset, das Riksdagshuset und erneut die Gamla Stan. Der Apéro musste etwas ausgieber ausfallen, hatten wir doch erst um 21.30h einen Tisch im trendigen Restaurant B.A.R. (Blasieholmens Akvarium o Restaurant). Eine szenige Beiz, ganz spezialisiert auf Fisch und Meeresfrüchte. Schlichtes Ambiente, urbane Gäste und das eigenständige Auswählen des Abendessens am "Fischmarkt" machten den Abend zu einem tollen Erlebnis. Danke Marc und Ale für den Tipp!

Den letzten Stockholm-Tag verbrachten wir mit einer Fahrt in die vorgelagerten Schärengärten. Die dicht bewaldeten Inseln (man spricht von rund 24'000) erstrecken sich über 150 km von südlicher in nördlicher Richtung und dienen vielen Städtern als Sommerquartier. So befinden sich denn auch unglaublich schöne Sommerhäuser auf den Inseln, teils in Dorfform, teils aber auch alleinstehend mit eigenem Hafen und Leuchtturm. Sicherlich ein weiteres Highlight der Reise. Die Fahrt sollte man unbedingt mit dem Schiff unternehmen, auch wenn einige Inseln, wie z.B. Vaxholm mit dem Auto zu erreichen sind. Bei sonnigem, aber windigem Wetter liessen wir den Abend in der Bar Flyt (einem alten Schiff) und dem Dinner in der Altstadt bei Renntier und Lachs ausklingen.

Stockholmer Schärengärten

Stockholmer Schärengärten
Die Stockholmer-Tage waren gezählt und so gings weiter entlang des Mälarensees in westlicher Richtung. Vorbei an Västeras gings in die Nähe des hübschen Ortes Nora. Ca. 15 km entfernt davon am Uskensee fanden wir das Paradies unserer Reise. Ein kleiner, idylischer Campingplatz mit direkter Sicht auf "unseren" eigenen See. Absolute Ruhe, stimmungsvolle Sonneruntergänge, herrlich erfrischendes Bad im See - so wie man sich einen Schwedenaufenthalt vorstellen kann. Wir blieben etwas länger da und fröhnten dem herrlichen Nichts-Tun. Das heisst nicht ganz, schliesslich musste hin und wieder ein Bier gezischt und der Grill angeworfen werden. Idylle Pur, aber Bilder sprechen da mehr als Tausend Worte. Das Wetter war übrigens äusserst warm, nette 26 Grad und Sonnenschein. Unsere Reise stand glücklicherweise wettertechnisch unter einem guten Stern. Im Gegensatz zur Schweiz genossen wir mehrheitlich warme Tage.

Blick vom Mosebacke Torg Richtung City
Mehr oder weniger widerwillig verliessen wir den schönen Ort und fuhren weiter in westlicher Richtung nach Karlstad am Vännernsee. Von dort gings auf einer Landzunge ans Cap Vännern. Rund 40km Fahrt durch einsame Idylle, bis wir schliesslich im Örtchen Ekenäs eintrafen. Von Ort kann hier zwar nicht die Rede sein. Ein paar Häuser, unzählige Schiffe im Hafen und ein Campingplatz prägten das Ortsbild. Wir wanderten ans südliche Ende der Landzunge und trafen dort auf eine fantastische Landschaft mit Blick auf den See. Der Vännernsee ist übrigens der grösste See Schwedens und der drittgrösste Europas. Man hat stets das Gefühl, sich am Meer und nicht an einem See zu befinden.

Nach einer weiteren Übernachtung an einem kleinen idyllischen See in der Nähe von Bengtsfors gings weiter an die Westküste, genauer genommen nach Strömstad an der norwegischen Küste. Bei strahlendem Wetter trafen wir auf einen Ferienort, welcher durch die vielen Norweger eher wie Rhodos wirkte als wie Westschweden. Die Orte an dieser Küste liegen oft in Fjorden und bieten ein ganz anderes Bild als die Küstenorte im Osten. Weiter gings nach Grebbestad zum überteuerten Crevettenschmaus. Auch hier ein nettes Kaff am Wasser, viele Segel- und Yachtboote im Hafen und ein herrlicher Blick zu den Schärengärten hinaus. Diese sind im übrigen hier wesentlich wilder als die Dicht bewaldeten vor den Toren Stockholms. Im Ort Fjällbacka (check auch das Buch von Camilla Läckberg "der Prediger von Fjällbacka") hatten wir dann eine Schrecksekunde zu überstehen. An einer engen Stelle touchierten wir mit dem Rückspiegel ein entgegenkommendes Fahrzeug (resp. er uns). Unser Rückspiegel war nur leicht beschädigt, seiner hingegen war vollkommen zerstört. So mussten halt die mühsamen Unfallprotokolle ausgefüllt werden. Der "alte Schwede" war aber kooperativ und so konnte alles ziemlich zügig erledigt werden. Mit einem Schuss Adrenalin im Blut gings dann weiter entlang der Westküste in südlicher Richtung.

The Dream

Cape Vännern

Grebbestad
Eigentlich wollten wir Göteborg besichtigen, entschieden uns aber, dies sein zu lassen und stattdessen wieder ins Landesinnere zu fahren. Via Boras gings dann nach Jönköping an der Südspitze des Vätternsee. Der zweitgrösste See des Landes ist der länglichere und für meinen Geschmack auch der schönere. Wir besichtigten die Stadt Jönköping ausgiebig, das Wetter war etwas mudrig und lud daher eher zum Bummeln als zum "Cruisen" ein. Das Wetter besserte sich und so fuhren wir dem See entland zum Ort Gränna. Dieser war überhaupt nicht zum Gränna, im Gegenteil. Zwar etwas touristisch, aber viele schöne Holzhäuser und nette Geschäfte luden zum Sightseeing ein. Wir machten dann endlich auch von einem Systembolaget Gebrauch. Dies sind die staatlichen Verkaufsstellen für Alkohol. Alles was mehr als 3% Alkoholgehalt aufweist, darf nur in diesen offziellen Geschäften verkaut werden. Die Preise sind saftig, wenn auch Dosenbier für 1.50 CHF gekauft werden kann. Wein und Schnaps hingegen sind schweineteuer. Mich erstaunt dann trotzdem, dass überall frisch und fröhlich "getankt" wird. Ein Ballönli Weisswein kostet im Restaurant dann gut und gerne 10.- und mehr.

Wir übernachteten am Vätternsee auf einem schönen Campingplatz. Tagsdarauf gings wieder südwärts ins schöne Städtchen Eksjö. Bekannt ist Eksjö für seine einzigartige Holzhausarchitektur. Die Altstadt entspricht noch dem mittelalterlichen Stadtplan und steht mit den historischen Holzhäusern fast komplett unter Denkmalschutz. Weiter gings durch das Glasriket (Glasreich). Entlang der Reichsstrasse 31 befinden sich zahlreiche Glashütten, wo man günstiges Designerglas erwerben kann. Wir besuchten kurz die Stadt Växjö am Helgasjön. Es war Samstag und das Städtchen war ziemlich ausgestorben. Ich nehme an, dass die Einwohner wie in vielen Städten Schwedens das Wochenende oder die Sommerferien in ihren Häusern am Meer oder irgendwo auf einem Campingplatz verbringen. Växjö hat übrigens eine Eishockeymannschaft, die Lakers. Diese sind neu in die Schwedische Eliteliga augestiegen und sicherten sich die Dienste unseres Schweizer Goalies Tinu Gerber. Nach einer weiteren Nacht an einem schön gelegenen See, dem Asnen See, gings an die Westküste nach Halmstad. Eigentlich gibt's da nicht viel zu sehen, denn die ursprüngliche Stadt war einst Opfer eines verheerenden Feuers. Was man noch wissen darf, ist dass Roxette (Per und Marie :-) von hier stammen. Wir fuhren dann noch auf die Landzunge vor Halmstand, nach Tylösand, einem edlen Ort der Reichen und Schönen. Ein tolles Hotel, viele schöne Villen und ein Golfplatz prägen hier das Ortsbild. Golfplätze gibt es übrigens vor allem in Südschweden wie Sand am Meer. Wir fuhren weiter ins Landesinnere nach Vittsjö, wo wir wieder einen äusserst ruhigen und gepflegten Campingplatz fanden. Erneut wurde gegrillt und gechillt was das Zeugs hielt.

Die letzten Reisetage standen an und so entschieden wir uns, noch einmal den Anfangscampingplatz in Höör aufzusuchen. Davor unternahmen wir aber eine weitere Fahrt an die Südküste Schwedens, genauer genommen ins Städtchen Ystad. Den Krimilesern unter Euch dürfte der Ort durch die dort spielenden Kriminalromane von Henning Mankell mit Kommissar Kurt Wallander als fiktivem Protagonisten bekannt sein. Das Städtchen verfügt wie die meisten schwedischen Städte über eine gepflegte Fussgängerzone, in welcher oft auch die ähnlichen Shops wie Dressman, Ahlens etc. zu finden sind.  Wir besichtigten dann noch die bekannte Sehenswürdigkeit "Ales Stenar". Die aus 59 Steinen bestehende Schiffssetzung liegt auf einem etwa 37 Meter hohen Hügel direkt an der Ostseeküste beim Ort Käseberga im Süden Schonens. Der Küstenabschnitt ist von einer steil zum Meer abfallenden Klippe geprägt. Den letzten Abend im Camper verbrachten wir damit, das Bier leerzutrinken, den Wein zu entsorgen und unserem Grill noch einmal alles abzuverlangen. Das Wetter war uns auch am letzten Tag hold, so dass wir den Abend bei Kerzenlicht geniessen konnten.

Der letzte Schwedentag verbrachten wir mit Packen, Putzen und Entsorgen, bevor wir dann nach Malmö fuhren und dort die Stadt besichtigten. Sicherlich ebenfalls einer der Highlightz unserer Reise. Malmö ist nebst Stockholm und Göteborg die drittgrösste Stadt Schwedens und durch seine Nähe zu Kopenhagen ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Das maritime Flair mit den herrlichen Strandpromenaden im neu geschaffenen Stadtteil Västra Hamnen lädt zum Verweilen und Geniessen ein. Wahrzeichen ist denn auch der Turm "Turning Torso", dem höchsten Gebäude Schwedens. Ebenfalls in Malmö gefällt die Innenstadt mit dem grossen Stortorget. Gegen Abend verliessen wir die Stadt um ins nahe gelegene Trelleborg zu fahren. Von hier soll uns dann die Fähre nach Travemünde in Deutschland bringen. Wir waren aber ziemlich früh vor Ort, aber eines ist klar "there is nothing to see in Trelleborg". So fuhren wir zum Abschied noch einmal entlang der Küste und einen Abschnitt durchs Landesinnere.

Die Überfahrt mit der TT Line nach Travemünde fand nachts statt, und so bekamen wir ausser dem Auslaufen nicht wirklich viel mit. Um 07.30h kamen wir in Deutschland an und schliesslich konnten wir etwas nach 09.00h das Wohnmobil, unser "Cämperli" zurückgeben. Ausser dem Schaden am Rückspiegel war alles einwandfrei. Wir fuhren per Taxi an den Hamburger Flughafen wo wir erneut unser Gepäck einstellten und dann mit der S-Bahn in die Innenstadt fuhren. Wir erkundeten die Stadt per Fuss, gönnten uns einen Lunch vor dem Rathaus und verbrachten den Nachmittag mit einer Hafenrundfahrt. Sehr eindrücklich muss ich sagen. Hamburg gehört sicherlich ebenfalls zu den Highlightz der Reise. Gegen Abend fanden wir dann doch noch die Schnäppchen in Form von Handtaschen (Jettli) und Hemden (myself) zu massiv reduzierten Sommerschlussverkaufspreisen. Dazu kommt noch der günstige Euro...um 21.10h gings dann mit der Swiss retour nach Basel wo unsere Reise zu Ende ging. Dank dem speditiven Car-Service von Andrea und Doris (Merci vielmal) konnten wir eine Stunde später die Türe zu Hause aufsperren!

Eine neue Erfahrung und ein einmaliges Erlebnis - so lautet das Fazit der Schweden Reise. Das Land ist wunderschön, vielfältig und abwechslungsreich. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Campieren macht Spass, auch wenn ich dies vor allem während einer Rundreise machen möchte und nicht als Dauercamper mit Crocks, 3/4-Hosen und Unterlibli :-) Entgegen allgemeiner Annahme fanden wir keine Mückenplagen vor. Klar trugen wir den einen oder anderen Stick davon, aber von einer mühsamen Erfahrung kann hier nicht die Rede sein. Die Nächte in Schweden sind kurz, jedoch im Süd- und Zentralschweden nicht durchgehend mit Sonne. Gegen 22.00h ging die Sonne unter, gegen 04.00h wars bereits wieder hell. Die Strassen sind wie bereits gesagt einwandfrei und ideal für Wohnmobile. So spulten wir insgesamt rund 3'300 km ab! Und last but not least, Elche haben wir nicht gesehen - leider. Ein Merci allen die uns Tipps gegeben haben und ein grosses Merci meinem Schatz für die unvergesslichen Ferien, das geübte Co-Pilotieren, Campingplatz einchecken und Rückwärtsmanöver lotsen :-)


Roadtrip Schweden









StepMapRoadtrip Schweden

Weitere Bilder zum Roadtrip findet ihr übrigens hier

Montag, 13. Juni 2011

Lord of the Pimms - 10th anniversary

Alles begann vor rund 11 Jahren vor dem Earl's Court Conference Center im Royal Borough of Kensington & Chelsea in London. Mein erster World Travel Mart als Vertreter von Interlaken Tourismus war gerade zu Ende gegangen. Der ganze Business-Rummel war durch und so freute ich mich damals auf ein paar entspannte Tage mit meinem Mate Hannes aka the WSL in good old England. Damals, als die Budgets noch klein und die Entdeckungslust gross waren, nutzen wir meine Businesstrips jeweils um im Anschluss oder davor unsere Passion für England, die vibrierende Metropole London mit ihren Kulturen, Attraktionen und Unterhaltungsmöglichkeiten ausgiebig auszuleben. Im Speziellen aber führte uns vor allem auch die Begeisterung für den englischen Fussball immer wieder in dessen Mutterland. Es gibt kaum ein Stadion im Grossraum Londons, welches wir noch nicht besucht haben. Egal ob Champions League, Premier League, Championship oder Länderspiele im Wembley, wir waren "almost everywhere". Ein weiterer Grund für unsere Reisen war aber auch die Tatsache, dass Hannes' Uncle Jürg und Aunt Annelies mit ihren Söhnen Lex und Michael seit über 30 Jahren in East Sussex in der Gemeinde North Chailey leben und wir sie so oft es geht besuchen. So war es auch in diesem Jahr anlässlich unseres zehnten gemeinsamen Trips nach England.

Am Mittwoch vor Auffahrt starteten wir unser Vorhaben. Pünktlich um 16.04h sassen wir im Zug in Richtung Geneva Airport. Zur Einstimmung gönnten wir uns erstmal ein paar Bier. Nach knapp 2-stündiger Zugfahrt trafen wir am Flughafen ein. Glücklicherweise hatten wir schon online eingecheckt und konnten so ganz ohne Hektik noch Geschenke für die Verwandten einkaufen (es gab natürlich Schoggi und für Onkel Jürg Landjäger). Wie so üblich mit unseren Freunden von Easyjet verspätete sich der ankommende Flieger um ca. eine Stunde, so dass wir uns ein paar weitere Bier genehmigen mussten ;-) Nach einem angenehmen und ruhigen Flug trafen wir schliesslich in London Gatwick ein. Jürg holte uns am Flughafen ab und führte uns mit seinem Wagen auf die Lindfield Farm. Halt, dies geschah natürlich nicht ohne einen Boxenstopp in einem am weg liegenden Pub. Der erste Pint of finest Harveys best Bitter war Tatsache geworden! Angekommen bei Schlup's schlossen wir den Abend bei ausgiebigen Gesprächen und Pizza &Wein ab.

Der erste richtige Tag begrüsste uns mit Vogelgezwitscher und stahlblauem Himmel. Ich musste mir noch einmal die Augen reiben, aber tatsächlich, der Himmel über der Insel war für einmal weder wolkenbehangen noch regnete es in Strömen. Die Aussicht vom Schlafzimmerfenster ist schlichtweg phänomenal. Eine Weite geprägt von stattlichen Chestnut-Bäumen, riesigen Feldern und wohlgeformten Gebüschen. Eine Landschaft erster Güte! Das Haus von Schlup's steht dann auch ziemlich alleine in dieser wunderschönen Gegend. Abgesehen von zwei nahe gelegenden Nachbarhäusern befindet sich rein gar nichts in der näheren Umgebung. Zum Einkaufen ins nächst gelegene Dorf fährt man mit dem Auto rund 10 Minuten.

Das nächste Tageshighlight folgte so gleich. Annelies bereite uns ein originales English breakfast zu: eggs, bacon, tomatoes, mushrooms and saussage, dazu toast, jam und salted butter. Einem erfolgreichen Tag stand nach diesem deftigen, aber äusserst schmackhaften Frühstück nichts mehr im Wege. Wir entschieden uns, den ersten Tag auf der Farm zu verbringen. Das Wetter war gut, der Pool nahm langsam aber sicher eine angenehme Temperatur an und der Kühlschrank war mit Bier gefüllt. Was will man mehr? Jürg befand, dass wir doch noch etwas anpacken sollten und so erledigten wir einige kleinere Arbeiten rund ums Haus. Nichts Anstrengendes, aber grund genug, anschliessend die Mittagspause bei einem Pint und Sandwiches im Royal Oak Pub zu verbringen. Ein tolles, typisches Dorfpub in der Nähe. Gestärkt und voller Tatendrang ging's zurück auf die Lindfield Farm wo nun auch die Kids der Cousins zugegen waren. Natürlich mussten wir mit ihnen sämtlichen Schabbernack im und um den Pool durchführen, was zu allgemeiner Heiterkeit führte. Auch das Ausspannen kam aber nicht zu kurz. Don Michele und Padrino Giovanni liessen es sich gut gehen!

Dann war's endlich Pimm's o'clock! Bei wunderbar sommerlichen Temperaturen gönnten wir uns zum Apéro den britischen Sommerdrink schlechthin. Pimm's ist ein Mischgetränk, dessen Inhaltsstoffe nebst Gin und Chinin eine geheime Gewürzmischung sind. Aufgefüllt wird das likörartige Getränk mit Limonade wie Sprit oder 7Up. Weiter führt man Minze, Zitrusfrüchte und wahlweise Erdbeeren oder Gurken und natürlich Eis dazu und fertig ist ein herrlich erfrischender Sommertrunk. Die Wirkung zeigt sich allerdings erst beim Aufstehen, denn davor merkt man vom Alkohol wenig bis gar nichts. Zusammen mit der ganzen Schlup-Family genossen wir dann einen lustigen BBQ-Abend auf der Farm. Gegrillt wurde übrigens standesgemäss auf einem eigens konstruierten Fassgrill. Zur Auswahl standen lokale Schweinswürste, Spareribs, Pouletschenkel und zur Krönung 1kg feinstes Ribeye-Steak!

Der nächste Tag war nicht minder sonnig, zumindest draussen. Der Kopf litt noch etwas, aber nach einem neuerlichen English breakfast und einer erfrischenden Dusche stand einem ereignisreichen Tag nichts mehr im Wege. Wir entschlossen uns, frühzeitig aufzubrechen um mit dem Bus ins nahe Städtchen Lewes zu fahren. Lewes ist Basis der bereits erwähnten Harveys Brauerei. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Fussgängerzone trafen wir bereits auf die Brauerei. Wir besuchten den eigenen "Fanshop" und natürlich das hauseigene Pub gleich um die Ecke. Das Harveys Bier kommt hier frisch vom Fass in überzeugender Qualität in den Pint. Viel mehr als die Gasse rund um die Brauerei gibt es dann doch nicht zu sehen und so nahmen wir den Zug nach Brighton. Das Seebad an der Küste des Ärmelkanals hat rund 150'000 Einwohner und ist bei uns vor allem als Destination für die EF Sprachschüler bekannt. Nicht umsonst ist die Stadt einer der grössten Partymekkas Grossbritanniens. Unter anderem stammt auch der Musiker Fatboy Slim von hier. Wir waren schon einige Male in Brighton, doch diesmal zeigte sich der Reiz der Stadt dank des herrlichen Wetters noch ausgeprägter. Wir zogen runter an den Strand und sassen uns in eines der zahlreichen Sidewalk Cafés an der Promenade. Bei Pimm's und Nachos nahmen wir uns die unterschiedlichsten "Vorbeigeher" unter die Lupe. Herrlich was sich an einem solch schönen Tag alles rauswagt. Sogar die bleichsten der bleichen Engländer waren zugegen ;-)

Pimm's o'clock

WSL on the Brighton seafront (pier in the background)
Hannes and Alex
Am späteren Nachmittag nahmen wir den Zug zurück nach Haywards Heath. Angekommen auf der Lindfield Farm vergnügten wir uns erneut am Pool und fröhnten dem herrlichen Dolce far niente! Die Ruhepause war nötig, waren wir uns doch im klaren, dass der Abend umso "heftiger" werden sollte. Ausgang und Dinner mit den Cousins stand auf dem Programm. Wir zogen erneut nach Haywards Heath und genauer genommen an den Broadway. Diese Strasse mitten im Städtchen beheimatet eine Vielzahl von Restaurants, Bars und Clubs. Nach einer ausgiebigen Apéro-Time zogen wir gegen 21h zu Nizam - dem besten Inder in town. Das Essen war vorzüglich, wenn auch die grüne Chillischotte zu Beginn des Dinners meinen gesamten Geschmackssinn zerstörte und ich meinen Mund und Rachen mit Naan, Kingfisher Beer und Minzenjoghurt neutralisieren musste. Nach dem Essen ging's erneut auf den Broadway wo wir bis zum "Fyrabe" weiter feierten. Dieser war schon um ca. 01.00h, was und dann auch aufzeigte, weshalb sich die Leute bereits um 19h dermassen einen hinter die Kiemen gossen!!!

Der Samstag war Abreisetag. Wir verabschiedeten uns von den Schlup's und zogen weiter nach London. Wir waren beide noch etwas limitiert als wir uns in den Zug nach London Bridge setzen. Das Curry (oder war's doch der Alkohol) lag uns noch etwas schwer in den Mägen und Knochen...
Mit der Tube gings zum Hotel in Nähe der Paddington Stadion. Das Park Grand Hotel Paddington war für die kommenden Tage unser Zuhause. Ein gepflegtes, modernes Stadthotel mit gut ausgestatteten Zimmern und der idealen Lage wie man es sich in London eigentlich immer wünscht...Dank Booking.com war auch der Preis entsprechend gut und mit ca. 75.- pro Person und Nacht einwandfrei für ein 4*-Hotel. Nach einer kurzen Erfrischung zogen wir durch die Portobello Road in Notting Hill und brachten mit einem ausgiebigen Spaziergang unsere Körper wieder auf Vordermann. Der Tag sollte ein langer werden und so war es angebracht, nicht bereits mittags wieder mit Bier trinken zu beginnen. Weiter ging's zum Wembley Stadion im Norden der Stadt. Das EM-Qualispiel England - Schweiz stand auf dem Programm. Wir vergnügten uns vor dem Match beim Beobachten der z.T. doch etwas beschränkten Natifans aus der Ost- und Innerschweiz. Wir wähnten uns aufgrund der ausgefallen Kostüme der Fans doch eher an der Fasnacht als an einem Fussballmatch. Hannes und ich zogen es auf jeden Fall vor, in casual aufzutreten um nicht eindeutig als Schweizer identifiziert zu werden. Schliesslich wollten wir uns vorenthalten, alle Pubs aufsuchen zu dürfen, ohne Blick auf die Herkunft. Das Spiel war dank dem 2:2 für uns Schweizer natürlich toll, auch wenn gegen die schwach auftretenden Engländer ein Sieg dringelegen wäre. Auf alle Fälle war's im Wembley von der Atmosphäre her sensationell und emtional! Nach dem Spiel nahmen wir es gemütlich und verblieben noch einige Stunden im Wembley Quartier. Es braucht nämlich seine Zeit, bis die 85'000 Leute wieder in die Innenstadt transportiert wurden. Wir trafen in einem nahegelegenen Pub auf einige bekannte Gesichter aus der Schweiz und stiessen mit ihnen auf einen flotten Fussballnachmittag an!


Wembley Stadium, London UK

Gegen 21h zogen auch wir in Richtung Innenstadt resp. zwecks Erfrischung ins Hotel. Wir wechselten das Tenu von kurz auf lang, wollten wir uns doch auch hier die Optionen für allfällige Clubbesuche offen halten. Zuerst aber stärkten wir uns in China Town mit einem "Set Menu". Im Gegensatz zu früheren Besuchen zogen wir heute aber die Arschkarte. Der Frass war kalt, fad und hat eigentlich nichts mit tollen chinesischen Essen zu tun! Schleunigst weg von Chinatown und rein ins nahe gelegene O'Neills Pub. Hier trafen wir auf Mate Ralph W. aus Thun. Ralph studiert seit einiger Zeit in der Themsenstadt. Voller Tatendrang zog er die nächste Runde an und löste uns aus unserer eintretenden Lethargie und Müdigkeit. Mitverantwortlich war jedoch auch der Freund Gin, welcher in solchen Situationen als echter Muntermacher wirkt! Zusammen mit zwei weiteren Bekannten zogen wir gegen 03.00h weiter in den Egg's Club in einem heruntergekommenen Viertel hinter dem Kings Cross Bahnhof. Ralph warnte uns, das Quartier sei unfreundlich, Taxis nur schwer zu finden und vor Jahren sei im Club sogar jemand erschossen worden! Okay...aber in Tat und Wahrheit erwartete uns nach einer eindringlichen Eintrittskontrolle inkl. X-Rays ein sensationeller Undergroundclub mit mehreren Dancefloors, Lounges und einem Outdoor-Chill out Bereich. Soundtechnisch ganz auf der elektronischen Welle tanzten wir bis in die frühen Morgenstunden zu derben Bässen und "abgespacten" Melodien. Uns erstaunte dann später auch nicht, dass unzählige Gäste mit Sonnenbrillen hereinspazierten. Um 04.30h ging bereits die Sonne auf und das gleissende Licht war Gift auf die an Dunkelheit gewohnten Partyaugen :-) Gegen 07.30h verliessen wir den Club und marschierten in Richtung Kings Cross wo wir uns ein erstes Katerfrühstück gönnten und anschliessend das Taxi ins Hotel nahmen. What a night!




Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Regeneration! Wir schliefen bis am frühen Nachmittag, ehe wir in einem Pub ein zweites, anständiges Katerfrühstück mit Burger und Fries zu uns nahmen. Gestärkt von diesem Imbiss zogen wir durch die Strassen der Innenstadt wo uns aber der Regen einen deftigen Strich durch die Rechnung machte. Anstatt ausgiebigen Spaziergängen draussen mussten wir wohl oder übel erneut Pubs aufsuchen wo wir das ereignisreiche Wochenende Revue passieren liessen. Noch einmal kam Euphorie auf und so gönnten wir halt noch einmal den einen oder anderen Gin. Abends suchten wir dann ein Restaurant, welches den Reinfall vom Vortag wettmachen konnte. Bei exzellentem Thai Food gelang dies ausgezeichnet. Den letzten Abend schlossen wir dann bei einer Runde "Daytona 500" im Trocadero ab, ehe wir gegen Mitternacht den Heimweg ins Hotel antraten.

Mit der Heimreise am Montag ging ein sensationeller England-Trip zu Ende! Danke WSL für die company, danke Ralph für den Ausflug ins Londoner Nachtleben, danke Schlup's für die tollen Tage auf der Lindfield Farm, danke Petrus für das tolle Wetter und danke Ottmar für den Verzicht auf Frei und Streller! Cheers!

Some more pix:

Michael & Debbie at the Curry fun

Wembley

6 am @ egg club

6 am and something @ egg club

hanging around @ lindfield farm

chillout lounge @ egg club
Lindfield Farm

Harveys Brewery Lewes

Fun @ the bar with unknown English girl






Dienstag, 31. Mai 2011

Slow down and take it easy - Ein Pilgererfahrungsbericht

Wer kennt es nicht: Stress hier, Druck da, Arbeit dort, Hobbys hier, Termine da, Einladungen hüben und drüben. Unsere Wochen und vor allem die Wochenenden sind stets vollbepackt mit irgendwelchen Aktivitäten. So war es an der Zeit, mal wieder einen Gang runterzufahren und den Alltag etwas zu "entschleunigen". Gemeinsam mit unseren Freunden Carol und Pesche zogen wir los, um eine Etappe des Schweizer St. Jakobsweg zu begehen und bei dieser Gelegenheit mal wieder Zeit für intensive Gespräche, Spiel, Spass und Unterhaltung zu haben :-) An dieser Stelle sei erwähnt, dass Carol & Pesche erfahrene Pilger sind und bereits die halbe Schweiz auf den Spuren des erwürdigen Apostels Jakobus erkundet und dabei Demut erfahren haben...

Samstags in der früh, so gegen 7.00h, bestiegen wir in Bern den Zug in Richtung Nyon. Da ich dort gearbeitet und gewohnt habe, freute ich mich extrem, mal wieder in diesen Teil der Schweiz zu fahren. Kurz vor 10.00h trafen wir dann bei der Domaine de Bois-Bougy auf unsere Pilgerkameraden, welche bereits die Nacht zuvor in Nyon eingetroffen sind. Frohen Mutes zogen wir los um unserem Endziel Genf Stück für Stück näher zu kommen. Der St. Jakobsweg ist bestens beschildert und so folgten wir eifrig der grossen "4" und der noch grösseren Stundenangaben...Ein gut ausgebauter Wanderweg führte uns vorerst durch den "Bois-Bougy", ein schattenspendender Wald in der Nähe von Nyon. Es war noch sehr kühl morgens und so freuten wir uns, nach kurzer Zeit wieder an der Sonne wandern zu dürfen. Ebenso erfreulich wie die Sonne war der Blick auf den Genfersee und die unzähligen Weinreben am Wegrand. Ebenso erstaunlich wie ärgerlich war der Blick auf die überdimensionierten Villen am Wegrand. Kein Wunder spricht die ganze Schweiz von einer Überhitzung des Immobilienmarktes am Genfersee. Bauplakate verweisen auf Einfamilienhäuser, welche für läppische 2,5 Mio. am Entstehen und auch schon z.T. verkauft sind. Wahnsinnig! Unsereins wird wohl kaum in der Lage sein, ein solches Schnäppchen mit Seesicht zu erstehen. Aber wenn man bedenkt, wieviele internationale Firmen sich in der Léman-Region niederlassen, erstaunt es dann doch nicht so sehr...

Nach einer Kaffeepause in Crans-près-Céligny ging es weiter über Felder und Wiesen, vorbei an stattlichen Schlössern, Herrenhäuser und Apfelplantagen in Richtung Céligny, Bossey und Founex. Letzeres Dörfchen ist bekannt durch seinen feinen Rosé und Weisswein. Obwohl vielerort "cave ouvert" angeschrieben war, verzichteten wir auf eine Weindegustation und pilgerten weiter in Richtung Mittagessen. Der Hunger liess nämlich nicht lange auf sich warten und so freuten wir uns, nach weiteren ca. 1.5h Wanderstunden im Dörfchen Tannay den "Lion d'Or" anzutreffen. Ein nettes Restaurant auf dem ruhigen Dorfplatz. Einzig das Plätschern des Brunnens und das Dröhnen der sich im Landeanflug auf Genf befindenden Jets unterbrach die herrschende Stille. Wir gönnten uns ein ausgiebiges Mittagessen inkl. dem Bierchen gegen den ersten Durst und dem Rosé als Essensbegleiter. Die Gelüste waren unterschiedlich: von Tatar über Züri Geschnetzeltes bis hin zu Schafskäse und Entrecote war alles dabei! Die Terrasse lud eigentlich zum längeren Verweilen ein, aber wir zogen bald wieder los um uns Versoix zu nähern. Dort war nämlich das Nachtlager eingeplant. Wir haben zwar nichts gebucht, doch Pilgerführer Pesche war sich sicher, dass wir dort nicht im Heu oder auf einer Bank am See übernachten müssen. Die letzte Tagesetappe stand unter dem Motto "Urban Spotting". Wir durchquerten edle Villenviertel, schummrige Hinterhöfe, vorbei an Mietskasernen und noch edleren Villenviertel...unglaublich welch soziale Unterschiede es so nah aufeinander gibt.Angekommen im Dorf Versoix gönnten wir uns - wie könnte es anders sein - ein kühles Blondes am Genfersee. Eine Wohltat für Körper und Geist. Denn ganz ohne war die Wanderung nicht. Rund 20km an einem Tag; es ist lange her, seit ich sowas geleistet habe ;-)
Anschliessend begaben wir uns auf die Hotelsuche, resp. Pesche wusste bereits, dass wir das Des Balance anpeilen müssen. Zimmer gab es noch, preislich okay und auch vom Standard her akzeptabel als "Pilgergaststätte". Einziger und dafür umso grösserer Wehmutstropfen: unsere Zimmer waren gegen die extrem stark befahrene Hauptstrasse nach Genf gerichtet, was mir eine unsägliche Nacht einbrachte, trotz Ohrstöpsel!

Vor dem Schlafen schliefen wir auch. Nämlich ein erstes Nickerchen nach dem Check-in. Alle Wanderfreunde waren kurz und heftig weggenickt. Danach begaben wir uns unter die wohltuende Dusche und freuten uns aufs Nachtessen. Dieses fand - erstaunlicherweise - im lokalen Restaurant "Lion d'Or" statt. Ein gepflegtes Speiserestaurant mit einer netten Menükarte. Ich tat mich zwar bei der Wahl des Essens etwas schwer, entschied mich dann für Riesencrevetten mit Reis. Pesche und Jettli füllten ihre Kohlehydratespeicher mit Pasta auf und Carol entschied sich für die Nierli...mmmmmmh fein! Noch ein Dessert, ein Käfeli und ein Grappa und bereits war es - wie unter Pilgern üblich - Zeit, um vor dem Eindunkeln ins Bett zugehen...das war mir dann doch zu viel und ich holte bei Mustafa um die Ecke noch ein Bierchen und liess mich von Messi & Co verzücken und in den Schlaf hieven!

Wie gesagt, die Nacht war echt scheisse, aber das Aufwachen bereitete mir dann doch noch Freude. Kein Muskelkater gröberer Art, einzig eine etwas lädierte Ferse waren Resultat des ersten Tages. Nach einem kurzen Frühstück zogen wir bereits nach 9h weiter in Richtung Genf. Über Felder und Wiesen gelangten wir in den Genfer-Vorort Genthoud und von dort ziemlich lange der Bahnlinie entlang in den Stadtteil Bellevue. Auch hier zeigte sich der Luxus der Saudis und anderer Diplomaten und reichen Erdenbürgern. In Chambésy, etwas erhöht über dem See erwartete uns ein lohnender Ausblick in Richtung Mont Blanc. Das Ziel war nun nahe und bevor wir uns umschauen konnten, waren wir im Jardin Botanique am Stadteingang angelangt. Ein kleines Motivationsbierchen im Park und dann gings das letzte Stück der Seepromenade entlang in die Stadt hinein. Die pompöse Genfer Luxus-Hotellerie stand rechts von uns in Reih und Glied und begrüsste uns in Genf. President Wilson, Beau-Rivage, Kempinski um nur einige Top-Tempel zu nennen. Alle diesen Namen fanden wir dann auf der Heimfahrt auch im Hotelranking der Sonntagszeitung...Natürlich durfte auch der Blick auf den Jet d'eau nicht fehlen, im Hintergrund der Genfer Hausberg Salève. Noch ein paar hundert Meter und schon war der Gare Cornavin in Sichtweite. Müde aber glücklich und zufrieden erreichten wir die Bahnhofshalle wo wir kurz darauf den Speisewagen in Richtung Bern bestiegen. Natürlich liessen wir die Pilgertat mit einem feinen Plättli und einem Schluck Rosé ausklingen. Wir danken dem Herrn für seine Geduld mit uns, vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang. Seid gelobet im Namen des Herrn, Amen ;-)

Merci meiner Reisetruppe - super gsi!


Château
Jettli, Carol & Pesche

Le jet d'eau à Genève





Montag, 25. April 2011

Roadtrip

Nach einer langen Eishockeysaison und einem spannenden aber anstrengenden ersten Quartal am WWZ der Uni Basel freute ich mich auf die ersten paar Ferientage im 2011. Mal weg vom Geschäft, weg vom starken Franken, Nationalbank-Fragen oder Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung, einfach mal die Seele baumeln lassen und irgendwo hinfahren und den Frühling geniessen. Ursprünglich wollten wir irgendwo hinfliegen, aber da Ostern heuer so spät ist, liessen sich kaum interessante Flugtarife finden. So entschieden wir uns für einen Roadtrip ins benachbarte Ausland. Nördlich nach Deutschland oder Luxemburg, eher östlich nach Österreich, westlich ins Elsass oder Burgund oder letztlich doch in den Süden nach Italien oder Frankreich. Nach reiflichen Überlegungen, Abwägen von Staus, anfallenden Kilometern, Essenspräferenzen und Apéromöglichkeiten, entschieden wir uns für den Trip in den Süden.

Am Mittwoch vor Ostern war es dann soweit. Mehr oder weniger pünktlich um 05.30h fuhren wir von Bern aus in Richtung Genfersee. Ich liebe die frühmorgentlichen Autofahrten: leere Strassen, Morgendämmerung und Sven Epiney der uns einen goldigen Tag verspricht - was will man mehr ;-) Wir erreichten meine alte Heimat um Nyon rum so gegen Sonnenaufgang um ca. 06.45h. Nach einem kurzen Kaffeestop gings dann über die Grenze in Genf und weiter auf der Autobahn A41 via Annecy nach Grenoble. Anschliessend verliessen wir die Autobahn mit dem Ziel, den grössten Teil unserer Reise abseits der Kilometerbolzerei auf Nebenstrassen zu absolvieren. Eine der wohl schönsten Autorouten führt eben von Grenoble runter ans Mittelmeer: die Route Napoleon.

Datei:Routenapoleon.jpgAls Route wird die Marschroute in Frankreich bezeichnet, die Napoléon I. (1769–1821) zurücklegte, nachdem er, um die Macht zurückzuerobern, von Elba kommend in Südfrankreich gelandet war. Sie entspricht der inzwischen für den Tourismus erschlossenen heutigen französischen Nationalstrasse Route Nationale 85. Details zur Route und vor allem zur Geschichte gibts auf Wikipedia.

Die RN 85 führt von Grenoble her über wunderschöne Hochplateaus, vorbei an glasklaren Seen, saftigen Wiesen, duftenden Blumen und blühenden Obstbäumen. Dazu hat man stets tolle Sicht auf die schneebedeckten Gipfeln des Parc National des Ecrins. Die kurvenreichen Passstrassen fahren sich aber sehr angenehm, die Strassen sind breit und gut ausgebaut.

Unseren ersten Halt machten wir dann im Städtchen Gap, dem Hauptort des Départements Hautes-Alpes. Das nette Altstädtchen lud uns dann erst zu einem Espresso, später dann zum ersten Bier ein. Das Wetter war herrlich sonnig, so dass wir es uns auf dem zentralen Marktplatz gemütlich machen konnten. Da wir aber ein anderes Fernziel hatten, nämlich zum Abendessen am Meer zu sein, fuhren wir relativ bald weiter in Richtigung Sisteron, Digne-les-Bains und weiter über eine schöne Hügellandschaft mit kleinen Pässen à jeweils ca. 1000 M.ü.M. nach Grasse. Das Städtchen Grasse liegt oberhalb von Cannes und bietet eine atemberaubende Sicht auf das Meer. Den Damen sollte der Ort vor allem als Parfümstadt, u.a. aus dem Film "das Parfüm" bekannt sein. Wir ersparten uns aber einen ausgiebigen Besuch und fuhren weiter in Richtung Meer.

Unser erstes Nachtlager spannten wir in St-Raphaël auf. Die lebendige Hafenstadt erwartete uns mit strahlendem Sonnenschein und einem ersten richtigen "Sommerfeeling". Die Suche nach einer Unterkunft erwies sich trotz anstehender Ostertage als relativ einfach. Wir fanden eine tolle Bleibe an der Promenade direkt am Meer. Das Hotel Excelsior war mit EUR 135.- zwar das teuerste unserer Reise, überzeugte aber mit einem sauberen und ansprechenden Zimmer. Mehr zu den einzelnen Hotels auf Tripadvisor. Die Seite erwies sich übrigens einmal mehr als toller Reisebegleiter. Die Rezensionen waren hilfreich und stimmten mit dem live Erlebten überein. Nach einem typischen französischen Apéro mit Pastis schlossen wir den Abend bei einem netten "Moules et Frites" Dinner ab.

Tag 2 unserer Tour führte uns am Morgen entlang der Côte d'Azur von Saint Raphaël nach Cannes. Die Fahrt führte uns über die Corniche, vorbei an zahlreichen Edelvillen, Yachthafen und stets mit einem tollen Blick auf das azurblaue Meer. Das Morgenlicht tat das Seinige dazu und liess die roten Klippen und schroffen Felswände noch schöner erscheinen als sonst. Sicherlich eines der Highlightz der Tour. Kurz vor dem Mittag trafen wir in Cannes ein wo wir ein wenig shoppten, apérölten und luxus-spotting betrieben. Ein hübsches Städtchen, welches ich sicherlich wieder besuchen werde. Unsere Fahrt führte uns weiter via Nizza und Antibes ans Cap Ferrat, wo wir bei Lachs und Baguette einen kleinen Picknick-Stop einlegten und den Blick aufs weite Meer, die überdimensionierten Yachten und auf die auch hier gewaltigen Villen genossen. Weiter gings dann nach Monaco wo wir eigentlich auch Sightseeing machen wollten. Da wir aber keine Parkmöglichkeiten fanden und uns der ganze Rummel dort doch eher auf den Sack ging, fuhren wir zügig weiter auf die Autobahn wo wir bis Imperia nach Italien düsten. In Imperia verliessen wir die Autobahn und rollten der Küste entgegen um einen geeigneten Schlafplatz zu finden.

Durch diverse hübsche und weniger hübsche Küstenstädtchen und Badeorte gelangten wir schliesslich nach Alassio. Der Badeort gefällt durch seine schöne Strandpromenade, den zahlreichen Restaurants, Cafés und  Shops, welche oft in engverwinkelten Gässchen liegen. Hier fanden wir erneut dank Tripadvisor eine schöne Unterkunft und konnten dann rechtzeitig zum Sonnenuntergang dem italienischen Dolce far niente fröhnen uns den Apéro genehmigen. Anstelle von Pastis gabs Apérol Spritz, ein wunderbar erfrischender Apèro :-) Abends gönnten wir uns dann Meereskost à la italiana und zwar Spaghetti Vongole und Gamberoni vom Grill - herrlich und natürlich in einem Restaurant mit Sicht aufs Meer.

Am dritten Tag unserer Reise gönnten wir uns erstmal einen guten Espresso an der Strandpromenade. Der von Tripadvisor bemängelte Nescafe-Automat im Hotel zerstörte nämlich Jettli's Gedanken an das Gute, sprich an den leckeren italienischen Kaffee zum Frühstück...wir verzichteten dann sogleich auf das Heissgetränk im tristen Frühstücksaal und zogen den externen Kaffeegenuss vor. Anschliessend fuhren wir entlang der ligurischen Küste in Richtung Savona. Das Wetter wurde etwas schlechter und so entschieden wir uns, die Küste zu verlassen und ins nahegelegene Piemont zu düsen. Es war unser erster Besuch im Piemont seit unserer Hochzeit und es kamen an allen Ecken und Enden emotionale Momente und Gedanken an eine einmalige Zeit auf.

Unser erster Stop war wie immer die Piaza in Neive. Dort gönnten wir uns einen feinen Arneis und den Blick in die umliegenden Rebberge. Die Suche nach einem Logis erwies sich als ungewöhnlich schwierig. Sowohl unsere Hochzeitslocation "San Giorgio" wie auch das L'Aromatario in Neive hatten keine freien Zimmer. So wählten wir erstmals das Hotel Castelbourg direkt in Neive aus. Ein nettes Hotel mit riesigen Zimmern, freundlichem Staff und einer perfekten Lage. Man lernt auch im Piemont immer wieder neue Dinge kennen und schätzen. Danach und einige Arneis später fuhren wir zu Federico Vacca aus Weingut Casina Principe im Anbaugebiet "Gaia Principe" in Neive. Diejenigen Männer welche an unserer Hochzeit dabei waren, kennen das Weingut bestens. Federico zeigte uns seine neuen Weine und verwöhnte uns mit einer ausgiebigen Degustation. Wir konnten wie immer nicht widerstehen und kauften 24 Flaschen ein...etwas Arneis, etwas Barbera aus dem Barrique, die Neukreation "Le Fate" aus Nebbiolo-Trauben und zu guter Letzt den edlen Barbaresco L'Angelo.

Abends assen wir in der Locanda San Giorgio zu Abend. Die Location, welche uns letzten Juli quasi "gehörte" war wieder ein normales Speiserestaurant geworden. Nirgends kamen bekannte Gesichter aus den Zimmern und auch das Menü bestand nicht mehr aus 8 sondern "nur" noch aus vier Gängen. Schon ein spezielles Feeling. Nichts desto trotz war das Menü für EUR 35.- top. Nach einem Gruss aus der Küche starteten wir mit einem leckeren Vitello Tonato - dem Evergreen aus dem Piemont. Zartes Kalbfleisch mit einer äusserst leckeren Thunfischsauce - wunderbar abgeschmeckt und luftig leicht. Weiter gings mit einem weiteren Klassiker, den Tajarin di nonna Adelia alle tre farine e ragù di salsiccia di Bra. Zum Hauptgang und richtig zur Osterzeit gabs Coniglio mit Frühlingsgemüse. Jettli verzichtete auf den Küngel und gönnte sich Gamberoni im Speckmantel - fantastisch! Wie immer zum Abschluss den Menüs gabs eine Dessertvariation. Diesmal mit Panna Cotta, torta di nocciole und noch etwas Drittes, was wir aber nicht mehr wissen :-) Wie immer offerierte das Haus einen Prosecco zum Apéro, einen Moscato zum Dessert und den Grappa zum Kaffee. Begleitet wurde das Dinner von einem 2005er Barbera d'Alba von Collina Serragrilli. Ein echter Geheimtipp und nach wie vor verbunden mit den herrlichen Erinnerungen aus dem Vorjahr. Wir kehren sicherlich zum "Giorgio" zurück, wenn auch die Übernachtungsmöglichkeit nicht immer dort liegen muss.

Tagsdarauf war das Wetter noch etwas dürftiger als zuvor und so entschieden wir uns - natürlich nach einem grossangelegten Einkauf italienischer Lebensmittel - den Heimweg unter die Räder zu nehmen. Via Alessandria, Simplon und Lötschberg gelangten wir nach rund 4.5h Fahrt nach Interlaken wo wir wieder bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen empfangen wurden. Das Osterweekend verbrachten wir dann im Kreise unserer Familien beim reichlichen Essen und Trinken. Alles in Allem ein gelungener Ostertrip mit vielen positiven Eindrücken, gutem Essen und herrlichem Wetter. Nachfolgend noch ein paar Eindrücke.
Nizza, Côte d'Azur

Alassio, Liguria

Neive, Piemonte